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arte plus7 – Kinder unter Kontrolle

Mai 2, 2010 - 11:34 am 1 Comment

Von Mordechaj

In der arte-Dokumentation werden Forschungsmodelle in Richtung Jugendkriminalität und Verhaltenstörungen gezeigt.

Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen zählen zu den zentralen Problemen der heutigen Gesellschaft. Politiker berufen sich gern auf eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen, die auf einen möglichen Zusammenhang zwischen bestimmten Verhaltensmustern und späterem kriminellen Verhalten hinweist. In Europa, den Vereinigten Staaten und Kanada sucht die Forschung nach den medizinischen Ursachen – seien sie psychiatrisch, neurologisch oder genetisch – für das Gewaltverhalten von Jugendlichen und empfiehlt ein immer frühzeitigeres Screening. So sollen mit einer umfassenden Reihenuntersuchung bei möglichst vielen Kindern schon früh entsprechende Risikofaktoren erkannt werden.
Die Dokumentation stellt die Frage, ob Kriminalität eine Krankheit ist und ob Wissenschaft und Medizin bald Probleme lösen können, die bisher als Domäne von Erziehung und Sozialarbeit galten. Er untersucht den Ansatz der heutigen Verhaltensforschung gegenüber Kindern und Jugendlichen und weist auf mögliche Folgen für die zukünftige Gesellschaft hin.

Regie führte Marie-Pierre Jaury.

http://plus7.arte.tv/de/1697660,CmC=3180636,scheduleId=3130780.html
(nur noch bis 6. Mai 21.45 verfügbar)

 
Ich höre diesen dicken Mann vor dem Projektor von Körpergröße sprechen und erinnere mich an Instrumente, die den Kopfumfang und damit die kriminelle Energie eines Delinquenten messen wollten. Ich höre den Schnösel von der UMP, der vom brennenden Mülleimer zum Banküberfall als schlimmstanzunehmenden Delikt kommt, ich sehe den fragwürdigen Typen, der davon spricht, Menschen wegzusperren oder in Rehabilitationsanstalten zu stecken, weil damit der Gesellschaft so ungemein geholfen sein, und ich kenne das DSM-IV, das alles zu einer Persönlichkeitsstörung erklärt, was nicht so ist, wie man sein muss.

Mediziner neigen dazu, alles mit Medizin erklären zu wollen. Politiker neigen dazu, Gelder für teure Projekte klar zu machen, sobald irgendein Wissenschaftler dreist genug ist, seine fragwürdigen Erkenntnisse als den Urschleim, aus dem wir gemacht sind, zu verkaufen. Was mit dem Klimawandel klappt, klappt auch mit der Verbrechergenetik.

Glückwunsch, ihr in euch hineinfluchenden Counter-Strike-Spieler, ihr seid offiziell verhaltensgestört und eine Gefahr für die Gesellschaft, weil ihr menschliche Verhaltensweisen zeigt.

Warum die Aktualität von Verhaltensstörungen? Es gibt Psychologen, die bei Kindern im Alter von 3 Jahren eine bipolare Störung oder andere affektive Probleme diagnostizieren – heißt: Die Kinder können kaum reden, Gefühlsregungen zeigen oder verstehen, und werden schon extremst stigmatisiert.

Für diese Störungen werden noch mehrere Parameter angelegt; für die Diagnostik von Verhaltensstörungen gibt es häufig nur ein Indiz: Verhaltensauffälligkeit: Ein Kind ist nicht brav, nervt oder ist nicht komform mit seinem Umfeld.

Was früher mit der Prügelstrafe entkräftet wurde, trägt heute aufgrund ganz anderer Erziehungsfehler als Gewalt ab: Wie schnell ein Kind brav wird und aufhört zu nerven und sich seiner Umgebung anpasst, wenn es regelmäßig über’s Knie gelegt wird. Aber ist das zweckdienlich? Denn: Psychische Traumata, Depressionen und Angststörungen aufgrund einer gewaltvollen Kindheit sind überhaupt nicht auffällig, die passieren im Stillen; solche Störungen beeinflussen die Verhaltenswahrnehmung nicht, sie zerfressen den Menschen einfach von innen. Der Fortschritt ist heute, dass die Erziehungsfehler sichtbar werden, wir nehmen sie aktiv wahr – aber wir treten ihnen vollkommen falsch entgegen, führen Probleme auf Ursachen zurück, die uns als Erzieher von der Last der Verantwortung befreien.

Heute ist die Erziehung liberaler, Kinder können oftmals sogar tun und lassen, was sie wollen. Das ist so lange in Ordnung, wie die Eltern daraus keine Probleme ziehen, die effektiv auf ihre Erziehung zurückzuführen sind, denn dann müssten sie ihren Lebensstil ja an ein Kind aktiv anpassen und wer will das schon, wer will aktiv Verantwortung tragen, vor allem: Wer will sich aktiv in die Verantwortung für sein verhaltensauffälliges Kind holen lasen?
Da springt jetzt die Medizin ein, die sagt: Hey, Eltern, es ist nicht eure Schuld, eure Kinder sind einfach “einzigartig” – einzigartig verhaltensgestört. Gebt ihnen ein bisschen Prosac und Ritalin und es geht ihnen gut.

Ihr habt die Deutsche gesehen, die zusammen mit dieser einen Tante den Fragebogen zu ihrem Sohn ausgefüllt hat?
“Quält ihr Kind gern Tiere. Beim Spielen etwa, hat er da Spaß dran?” Sie lacht und sagt ja und lacht nervös weiter und die Tante gegenüber guckt ernst, als wär das Kind bereits der schwerstkriminelle Tierquäler schlechthin.
Das ist ein klarer Erziehungsfehler, das hat nichts mit seinem Cortisol-Haushalt oder seiner Hirnaktivität zu tun. Die Olle hat’s einfach versäumt, ihrem Sohn Mitgefühl beizubringen. Wenn ich mich recht erinnere, war der Sohn 5 Jahre alt. Wer von uns hat mit 5 Jahren Tiere schon als vollwertige Lebewesen und nicht etwa als Spielzeug betrachtet? Wer versteht mit 5 Jahren die real existierenden Gefühle und Bedürfnisse eines Tieres, wenn die Eltern es versäumen, hier aktiv Erziehungsarbeit zu leisten?

Und das tun sie, denn – wieder die Deutsche mit dem Sohn – wer allein auf das Anraten der Kindergärtnerin sonnen psychiatrischen Großangriff anleiert, der muss schon sehr hilflos sein. Das Kind mal selbst zu beobachten und sich mit seinen Problemen auseinander zu setzen – nö, da stecken wir es lieber in die Psychiatrie.

Aber warum es sich schwer machen, wenn es auch einfach geht? Einfach ein paar SSRI-Hemmer rein, dann wird das Kind gefühlsbetonter und schmusiger und allgemein ein bisschen abwesend, schon sieht die Welt wieder besser aus, denn so wollen wir unsere Kinder haben, Stephen-Spielberg-Kinder ohne tiefere Persönlichkeit.

And then again: Man nimmt für eine Vielzahl von psychischen Störungen (etwa die bipolare, die schizo-affektive, Borderline, Schizophrenie, Depressionen, Angststörungen, Migräne etc.pp.) komplexe Ursachen in Genetik, Umfeld und Lebensgeschichte wahr. Es gibt also Menschen, die genetisch gesehen höher gefährdet sind, irgendwann depressiv zu werden, brauchen dafür aber das entsprechende Umfeld und einen entscheidenden Auslöser. Aber Verhaltensstörungen bei Kindern, die exakt den gleichen Tonus haben wie affektive Unstimmigkeiten – na die betrachten wir gern rein im medizinischen Umfeld, fernab von Umwelt und Einbettung, uns könnte ja auffallen, dass Kinder Menschen sind, die im Allgemeinen genauso wenig einfach gestrickt sind, wie Erwachsene, viel mehr noch, die eine komplexe und umseitige Aufwendung an Aufmerksamkeit, Verständnis und Erziehung brauchen.

Den meisten Leuten mangelt es an einem Gespür für alle drei Faktoren. Und das ist nicht mal schlimm, auch aus deren Kindern werden irgendwann Menschen, vielleicht sogar unglaublich “wertvolle” Mitglieder der Gesellschaft. Die Gefahr ist jetzt, dass Kinder von vornherein in eine Ecke gedrängt werden, stigmatisiert werden, ihnen wird eingeredet, sie wären gefährdet, irgendwann schwerstkriminell zu werden, weil sie schonmal darüber nachgedacht haben, zu sterben oder in ihrem jungen Leben schonmal Fehler begangen haben.

Jugendkriminalität

Oktober 12, 2009 - 12:43 am 6 Comments

JesterVoid 12.09.2009, München. Jugendliche prügeln einen Mann zu Tode. Dabei wollte er doch nur ein paar Kindern helfen. Einer der Täter meinte, dass er das bereue. Der andere nicht. Die Jugendkriminalität in Deutschland hat in den letzten Jahren rapide zu genommen. Immer mehr und immer brutalere Taten werden bekannt. Die Hemmschwelle sinkt rapide und mit der Moral in der Jugend verschwindet auch das Benehmen. Aggressivität spürt man überall. Was man schon manchmal ertragen muss, wenn man am städtischen Busbahnhof entlang läuft und man dann doof angemacht wird.

Ich saß einmal am Busbahnhof und wartete auf meinen Bus, da kam so ein Hoppermäßig anmutender Junge zu mir und fragte mich nach einer Schlägerei. Natürlich verneinte ich und hoffte inständig, dass der nur Langeweile hatte. Es wäre niemand in der Nähe gewesen um zu helfen, nur ein paar teilnahmslose Kinder und seine Kumpanen. Er meinte, wir sollen hinter den Zaun gehen und uns mal ordentlich kloppen. Ich verneinte vorsichtig weiter. Bloß nicht provozieren, ich musste noch eine halbe Stunde durchhalten. Als er anfing auf mich einzuschimpfen, kam zum Glück einer seine Freunde und hieß ihn sich zu benehmen. Erleichtert ertrug ich die Spucke dir vor mir auf den Boden platschte.

Ich hatte Glück. Andere haben es nicht. Mobbing, Raub, Schlägereien und Betrug von Jugendlichen ausgehend nehmen zu. Und Deutschland schaut weg. Von wie viel Fällen erfährt man schon? Schon mal umgesehen, was in der Umgebung für Unrecht geschieht? Ich habe mich auch noch nie getraut zu helfen, wenn ich was schlimmes gesehen habe. Und das ist nicht nur mein Problem. Ich hoffe, dass ich eines Tages irgendwo helfen kann. Und Sie?

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