« Ma liberté, c’est ce que je fais de ce qu’on a fait de moi »
Von Mordechaj
“Die Freiheit ist das, was man aus dem macht, was aus einem gemacht worden ist.”
Es ist Sartre, von dem dieses sehr wahre und erleuchtende Zitat stammt.
Es sagt in andere Worten: Du, der frei die Aspekte deines Lebens schaffst, welche zu verformen dir die Unabhängigkeit gegeben wurde, bist wahrhaft frei.
Ich erlaube mir, dem noch eine Phrase hinzuzufügen, die kaum in der Lage ist, dieselbe Größe zu haben: Wer nicht weiß, wovon er abhängig ist, hält sich für frei, was sagen will, dass die Freiheit nicht mehr als ein Blickwinkel ist, mehr noch, dass die Freiheit das Produkt einer besonders leichtgläubigen Geisteshaltung ist. Ich sage das nicht pejorativ, für mich ist die Leichtgläubigkeit eine echte Macht, aus ihr erwächst das Vertrauen und die Hoffnung.
Ich persönlich glaube, dass es beinahe besser ist, sich für frei zu halten, als es wirklich zu sein, denn es ist überhaupt nicht wichtig, ob man es ist, oder nicht, weil die Freiheit selbst nichts weiter als die Idee einer unendlichen Leichtigkeit ist und weil als solche das Gefühl ihrer Tatsächlichkeit ausreicht. Um vielleicht im Geiste Aristoteles’ zu sprechen: Jede Handlung zu Gunsten der Freiheit strebt nach dem höheren Gut sich frei zu fühlen, eher noch als dass sie als Ziel eine wahrhaftige Freiheit hätte, welche in der Mehrzahl der Fälle nicht einmal zugänglich wäre.
Man muss deshalb eine vernünftige und realistische Sicht auf diesen Gedanken gewinnen. Für jene, die in der geistigen Verfassung sind, sich mit der Freiheit aktiv zu befassen - will meinen; für jeden, der einen Begriff davon besitzt und danach strebt, folglich also jedes Wesen von einer gewissen Intelligenz - wird es niemals eine vollkommene Freiheit geben, weil keine dieser Personen wirklich zu der gebotenen Leichtgläubigkeit in der Lage ist. Die Leichtgläubigkeit ist ein Geschenk, dass wir sehr oft ihrer eigenen Annihilation anheim führen, das ist die Erbsünde. Auch das sei nicht abwertend gesagt, denn es ist diese Sünde, die uns zu Menschen macht.
Im Grunde ist auch genau das die Lehre, die ich aus der Geschichte der Erbsünde ziehe. Ein einfaches, freies Leben aufzugeben, die Ewigkeit aufzugeben, die Nähe zu Gott aufzugeben (entschuldigt, dass ich das Thema auf einmal so religiös aufziehe, aber das liegt ja nicht gerade fern, wenn man von der Sünde spricht), nur um sein ganzes Leben nach dem Aufgegebenem zu streben, das ist menschlich, ist rein, das ist fast wie ein Lebenssinn, wenn man so weit gehen mag. Man würde sicher von einem Fehler sprechen, den Eva in der Geschichte begangen hat, aber man lernt an Fehlern zu wachsen. Wir wachsen an der Historie und unserer Erziehung, wir wachsen an Dingen, die uns widerfahren sind. Und jeder erfolglose Flugversuch gibt und ein Stück mehr die Fähigkeit, in ein neues Schicksal davonzufliegen. Das einzig Wichtige ist, diese Chance wahrzunehmen. Eva hat das getan, wenn auch gegen das Gesetz, während Adam dazu den Mut nicht hatte, und genau da hatte unsere ständig scheiternde Existenz ihren Anbeginn. Es ist aber dieses scheiternde Wesen, das unserem Leben Sinn einhaucht, ich meine, was wäre die Tugend in einer Existenz, die nicht zum Scheitern fähig ist, wert?
Und genau deshalb ist es so wenig wichtig, in vollkommener Freiheit zu leben, denn in dem Moment, in dem man glaubt, an diesem Punkt angekommen zu sein, hat das Leben jede Sinngabe verloren. Ohne abhängig zu sein, ohne sich selbst hinter’s Licht zu führen und ohne den Drang diese größte Größe zu erreichen - oder jedoch dahin zurückzukehren -, wäre man nicht frei, sondern von Neuem, viel Schrecklicherem determiniert, determiniert von Der eigenen Unbedeutsamkeit (ohne Abhängigkeit gibt es nichts, woran man sich halten kann und niemand, den man an sich binden könnte).
Es bleibt also nichts anderes übrig, als den Begriff der Freiheit anzupassen und zu individualisieren. Wieviel davon ist man fähig zu besitzen, ohne dabei an Bedeutung zu verlieren. Was macht man aus dem, was aus einem gemacht worden ist, denn genau dadurch findet man die Fähigkeit, sich zu befreien, ohne sich die Freiheit bloß einzubilden, die, wie gesagt, nichts weiter als die Idee von Leichtigkeit ist. Für alles Weitere und im Endeffekt, reicht es wohl, sich im Klaren darüber zu sein, dass man nur eine Illusion der Freiheit hat und braucht, denn würde man sich davon lösen, gäbe man auf, was uns wirklich menschlich macht, die Kraft nämlich, die eigene Welt mithilfe des Geistes zu verformen, denn am Ende ist die Illusion ein schöpferischer Akt - wie es also auch die Illusion von Freiheit ist.
Das ist eine Medaille mit zwei Seiten. Es gibt, wenn es um die Freiheit geht, tatsächlich ein zu viel und zu wenig, und selbst was die Leichtgläubigkeit, die Abhängigkeit und die Illusion betrifft, auch hier gibt es ein zu viel und zu wenig. Es ist einzig und allein wichtig, sich auf der Suche nach der Wahrheit nicht in etwas zu verlieren, was lediglich wahr zu sein scheint, genauso wie es wichtig ist, wann zu viel von der Wahrheit abhängig zu machen tatsächlich zu viel ist. Es reicht vollkommen aus, sich der Wahrhaftigkeit von Freiheit anzuvertrauen, von der Sartre spricht, während man sich der Illusion hingibt, dass man noch mehr Freiheit besitzt, denn wäre so viel Freiheit tatsächlich existent, würde das alles andere verderben.