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« Ma liberté, c’est ce que je fais de ce qu’on a fait de moi »

August 14, 2010 - 1:55 am No Comments

Von Mordechaj

“Die Freiheit ist das, was man aus dem macht, was aus einem gemacht worden ist.”

Es ist Sartre, von dem dieses sehr wahre und erleuchtende Zitat stammt.
Es sagt in andere Worten: Du, der frei die Aspekte deines Lebens schaffst, welche zu verformen dir die Unabhängigkeit gegeben wurde, bist wahrhaft frei.

Ich erlaube mir, dem noch eine Phrase hinzuzufügen, die kaum in der Lage ist, dieselbe Größe zu haben: Wer nicht weiß, wovon er abhängig ist, hält sich für frei, was sagen will, dass die Freiheit nicht mehr als ein Blickwinkel ist, mehr noch, dass die Freiheit das Produkt einer besonders leichtgläubigen Geisteshaltung ist. Ich sage das nicht pejorativ, für mich ist die Leichtgläubigkeit eine echte Macht, aus ihr erwächst das Vertrauen und die Hoffnung.

Ich persönlich glaube, dass es beinahe besser ist, sich für frei zu halten, als es wirklich zu sein, denn es ist überhaupt nicht wichtig, ob man es ist, oder nicht, weil die Freiheit selbst nichts weiter als die Idee einer unendlichen Leichtigkeit ist und weil als solche das Gefühl ihrer Tatsächlichkeit ausreicht. Um vielleicht im Geiste Aristoteles’ zu sprechen: Jede Handlung zu Gunsten der Freiheit strebt nach dem höheren Gut sich frei zu fühlen, eher noch als dass sie als Ziel eine wahrhaftige Freiheit hätte, welche in der Mehrzahl der Fälle nicht einmal zugänglich wäre.

Man muss deshalb eine vernünftige und realistische Sicht auf diesen Gedanken gewinnen. Für jene, die in der geistigen Verfassung sind, sich mit der Freiheit aktiv zu befassen - will meinen; für jeden, der einen Begriff davon besitzt und danach strebt, folglich also jedes Wesen von einer gewissen Intelligenz - wird es niemals eine vollkommene Freiheit geben, weil keine dieser Personen wirklich zu der gebotenen Leichtgläubigkeit in der Lage ist. Die Leichtgläubigkeit ist ein Geschenk, dass wir sehr oft ihrer eigenen Annihilation anheim führen, das ist die Erbsünde. Auch das sei nicht abwertend gesagt, denn es ist diese Sünde, die uns zu Menschen macht.

Im Grunde ist auch genau das die Lehre, die ich aus der Geschichte der Erbsünde ziehe. Ein einfaches, freies Leben aufzugeben, die Ewigkeit aufzugeben, die Nähe zu Gott aufzugeben (entschuldigt, dass ich das Thema auf einmal so religiös aufziehe, aber das liegt ja nicht gerade fern, wenn man von der Sünde spricht), nur um sein ganzes Leben nach dem Aufgegebenem zu streben, das ist menschlich, ist rein, das ist fast wie ein Lebenssinn, wenn man so weit gehen mag. Man würde sicher von einem Fehler sprechen, den Eva in der Geschichte begangen hat, aber man lernt an Fehlern zu wachsen. Wir wachsen an der Historie und unserer Erziehung, wir wachsen an Dingen, die uns widerfahren sind. Und jeder erfolglose Flugversuch gibt und ein Stück mehr die Fähigkeit, in ein neues Schicksal davonzufliegen. Das einzig Wichtige ist, diese Chance wahrzunehmen. Eva hat das getan, wenn auch gegen das Gesetz, während Adam dazu den Mut nicht hatte, und genau da hatte unsere ständig scheiternde Existenz ihren Anbeginn. Es ist aber dieses scheiternde Wesen, das unserem Leben Sinn einhaucht, ich meine, was wäre die Tugend in einer Existenz, die nicht zum Scheitern fähig ist, wert?

Und genau deshalb ist es so wenig wichtig, in vollkommener Freiheit zu leben, denn in dem Moment, in dem man glaubt, an diesem Punkt angekommen zu sein, hat das Leben jede Sinngabe verloren. Ohne abhängig zu sein, ohne sich selbst hinter’s Licht zu führen und ohne den Drang diese größte Größe zu erreichen - oder jedoch dahin zurückzukehren -, wäre man nicht frei, sondern von Neuem, viel Schrecklicherem determiniert, determiniert von Der eigenen Unbedeutsamkeit (ohne Abhängigkeit gibt es nichts, woran man sich halten kann und niemand, den man an sich binden könnte).

Es bleibt also nichts anderes übrig, als den Begriff der Freiheit anzupassen und zu individualisieren. Wieviel davon ist man fähig zu besitzen, ohne dabei an Bedeutung zu verlieren. Was macht man aus dem, was aus einem gemacht worden ist, denn genau dadurch findet man die Fähigkeit, sich zu befreien, ohne sich die Freiheit bloß einzubilden, die, wie gesagt, nichts weiter als die Idee von Leichtigkeit ist. Für alles Weitere und im Endeffekt, reicht es wohl, sich im Klaren darüber zu sein, dass man nur eine Illusion der Freiheit hat und braucht, denn würde man sich davon lösen, gäbe man auf, was uns wirklich menschlich macht, die Kraft nämlich, die eigene Welt mithilfe des Geistes zu verformen, denn am Ende ist die Illusion ein schöpferischer Akt - wie es also auch die Illusion von Freiheit ist.

Das ist eine Medaille mit zwei Seiten. Es gibt, wenn es um die Freiheit geht, tatsächlich ein zu viel und zu wenig, und selbst was die Leichtgläubigkeit, die Abhängigkeit und die Illusion betrifft, auch hier gibt es ein zu viel und zu wenig. Es ist einzig und allein wichtig, sich auf der Suche nach der Wahrheit nicht in etwas zu verlieren, was lediglich wahr zu sein scheint, genauso wie es wichtig ist, wann zu viel von der Wahrheit abhängig zu machen tatsächlich zu viel ist. Es reicht vollkommen aus, sich der Wahrhaftigkeit von Freiheit anzuvertrauen, von der Sartre spricht, während man sich der Illusion hingibt, dass man noch mehr Freiheit besitzt, denn wäre so viel Freiheit tatsächlich existent, würde das alles andere verderben.

Gedanken zum Menschsein und Ewigsein

Mai 16, 2010 - 6:34 am No Comments

Na dann will ich mal Senf über die dritte große monotheistische Religion hinzufügen…

Von Mordechaj
Als Mosheh auf Chorev den brennenden Busch fragt, was er seinem Volke sagen soll, wer ihm auftrug, sie aus der Sklaverei zu führen, erhält er als Antwort: Ehyeh asher ehyeh.

Das ist im Grunde ein sehr schöner Ausdruck, um G-tt zu beschreiben, es ist nichts Greifbares, nichts Eindeutiges. Von jeher wird diese Aussage von Theologen und Übersetzern unterschiedlich wiedergegeben und interpretiert. Das hat den Grund, dass die hebräische Grammatik selbst sehr sparsam mit Formenreichtum ist, man muss die Wortbedeutung aus dem Kontext erschließen. Diese Aussage hier besitzt aber keinen Kontext, sie ist in nichts eingebettet als Ihn selbst, genauso wie auch Er ohne Kontext ist.

Was will dieses Ehyeh asher ehyeh nun bedeuten können?
‚ehyeh‘ ist die progressive Futurform von ‚sein‘, lihiot. Von Muttersprachlern wird die Form als eine Verbindung von Präsens (hoveh) und Futur (atid) wahrgenommen. Wie schon erwähnt ist die hebräische Grammatik sehr sparsam, so stecken in ein und derselben Konjugationsform mehrere verschiedene mögliche Aussageintentionen. In diesem Fall kann das sein: Ich werde sein, ich sei, ich soll sein, ich wäre, ich kann sein, ich geruhe zu sein, etc.pp. Das Wort beschreibt Ihn als zeitlos und unendlich.
‚asher‘ ist ein allgemeines Relativpronomen, auch hier ist das Hebräische wieder sehr auf Mehrwegverwendung bedacht, es kann sowohl als auch bedeuten: was, wer, wie, wo, wann; das, was; der, der; etc. Heutzutage wird das Pronomen nahezu ausschließlich dazu verwendet, Relationen in bestimmten Wortverbindungen anzugeben, kommt als alleinstehender Satzteil also kaum noch zur Geltung.

Ich bin der, der geruht  zu werden, all das und wer und all dort und wann ich sein werde.

Man spricht von göttlicher Emanation, von etwas, das einen Anfangspunkt im Hier und Jetzt besitzt und in der Ewigkeit nicht endet. Damit ist Er alles Seiende und alles Werdende, ein Alles-Sein und Selbst-Existieren. Viel mehr noch, Er ist der, durch den alles Sein und Werden erfährt.

Ivrit hat keine Präsensform für das Wort ‚sein‘. Ich kann auf Hebräisch nicht feststellen „Ich bin.“, nur „Ich bin klein.“, Ani katan. Das ist sehr interessant, wenn man daran denkt, was das für das Selbstverständnis bedeuten muss, viel mehr noch, wenn man an markante Stellen aus Bereshit denkt, wir deutlich, wie viel unmittelbarer Seine Existenz ohne einen Gegenwartszustand ist.
Ein Beispiel, welches in seinem Wortlaut ziemlich bekannt sein dürfte:
Vayomer Elohim yehi or ve-yehi or.  Elohim sprach: Es werde Licht; und es wurde Licht.

Nicht etwa befiehlt Er dem Licht zu sein, Er befiehlt ihm zu werden, und es war nicht, es wurde. Das Licht wird damit ebenso ungreifbar wie Seine Existenz, es ist ein Werden statt ein Dasein.

In Bezug auf Ihn fallen in den Schriften noch mehrere derartig Tautologien, etwa: „Ich will […] dir kundtun den Namen HVYH: Wem Ich gnädig bin, dem bin Ich gnädig, und wessen Ich Mich erbarme, dessen erbarme Ich Mich.“ Meist macht Er sie über sich selbst, weil Er niemals (zumindest soweit ich weiß; es kann vielleicht durchaus vorgekommen sein) objektiviert wird, er ist immer Subjekt. Das unterstreicht einerseits den Eindruck, dass diese Worte direkt von ihm kommen, andererseits weist es ihm auch stilistisch eine Allgegenwärtigkeit zu. Und selbst, wenn man über Ihn spricht, wird Seine Gegenwart stets betont, wo Mosheh den Söhnen Yisraels sagen soll: Ehyeh schickt mich zu euch.

Ehyeh asher ehyeh. Ich bin, der ich bin. Ich mag sein, was ich sei.

Es gibt keinen Satz im Tanakh, der meine Beziehung zu meinem G-tt mehr geprägt hätte, der mein Bild von der Schöpfung und dem Dasein besser zu fassen wüsste. Er besitzt keinen Namen, deshalb kann HaShem auch niemals offenbart werden, er ist das Alles-Sein und die Selbst-Existenz, er muss erfahren werden. Nur wer Sein und Werden in Einklang zu bringen vermag, der die unerklärte Selbstexistenz Seiner Herrlichkeit hinzunehmen vermag, lernt Ihn kennen.
Dr. Eli Erich Lasch beschreibt das in seinem Buch „Let there Be Freedom“ wie folgt:

Moses erlebte auf Chorev eine Erleuchtung, und seit dieser Zeit sah er die Welt auf andere Art und Weise. Er erkannte, dass die Wirklichkeit in verschiedenen Formen und Dimensionen gesehen werden kann. Nun war er bereit, nicht nur seine eigene Realität zu verändern, sondern auch die der ihn umgebenden Welt. Nun konnte er vollbringen, was wir „Wunder“ nennen würden. In diesem Augenblick hatte Moses seine Göttlichkeit wieder gewonnen.

Ich halte nicht viel von fremden Interpretationen der Schriften, weil sie letztendlich immer einen entweder subjektiven oder theologischen Charakter haben und beides ist bei der Entwicklung eines persönlichen Bildes eher hinderlich. Hier aber sprechen wir in etwa dieselbe Sprache.

 

Was ist die Konsequenz daraus?
Ein Dasein, das Sein und Werden zu akzeptieren und zu vereinen weiß, entfernt sich von der Existenz in der Vergangenheit. Der Mensch definiert sich im Allgemeinen über das, was ihm Zugestoßen ist, seine Identität besteht aus in vergangenen Ereignissen erworbenen Werten und Erfahrungen. Das ist einerseits die Wesensgabe des Menschen, dass er erinnern kann, nur durch Erinnerung wird eine Zukunft denkbar. Das tut der Göttlichkeit der Emanation keinen Abbruch, jeder Anfang hat eine Art dunkles, angsteinflößendes Nichts, aus dem er hervorging. Auch der Gott der Hebräer hat einen Anfang:

Vayomer anuki Elohi abeykha, Elohi Abraham, Elohi Izehak, ve-Elohi Yakov. Und er sprach: Ich bin da eben der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.

Man darf diesen Urzustand hier nicht falsch verstehen, nämlich schöpferisch. Er ist viel eher tranzendental zu sehen. Als Gott sich Mosheh als der Gott seiner Vorväter zu erkennen gibt, verbirgt dieser angstvoll sein Gesicht. Bei Lasch:

Im ersten Teil der Begegnung erscheint Gott Moses in dem Aspekt von HVJH, dem Aspekt des ewigen Seins, als Gott der Zeit. Die Offenbarung beginnt mit der Erinnerung an die Vergangenheit – Ich bin der Gott deines Vaters – und Moses reagiert, indem er sein Gesicht verhüllt.  „Was für ein Gott ist dieser Gott, den wir für seine Dienste und Versprechen in der Vergangenheit anbeten sollen und der es in der Gegenwart zulässt, dass sein Volk ausgerottet wird. Ein solcher Gott ist höchstens zu fürchten.“ […] Aber in diesem Augenblick verändert sich alles, und Gott wird zum Gott der Gegenwart.

Die Mission Mosheh, der Auszug aus Ägypten, die Erfahrung der Schemot, das Auserwählen der leidenden Hebräer zum Bund mit G-tt bilden den Anfang von Adonay, dem Herren. Dennoch verkörpert er weiterhin die göttlichen Dimensionen seiner Schöpfung und seiner Selbst-Existenz, Elohi ist Elohim, ein Gott, der mehre Götter ist, der Gott Jakobs, Isaaks, Abrahams, Noahs, Amrams, schließlich Moshehs, der Gott der Schöpfung, auch der Gott Christi, manchmal sogar der Gott der Muslime.

Der Charakter G-ttes ist ein ständiges Neuanfangen, ein Umwerten, wenn man es mit Nietzsche halten will: Ein Vergessen. Das bedeutet – noch einmal – nicht, dass man die Vergangenheit nichtig zeihen oder gar auslöschen soll, es heißt nur, sie als vergangen anzuerkennen.
Gleichzeitig heißt es, sich der Zukunft anzuvertrauen, auf dass aus ihr schöpferische Kraft entstehe. Auf diese Weise bleibt die Nähe zum Alles-Sein gewahrt, die Rückkehr dahin ermöglicht.

Das System “Abfalleimer”

März 26, 2010 - 2:47 am 2 Comments

Ein Beitrag vom 27.01.2010, 02:09
Verfasst von Mordechaj

1918 kam die Wiener Stadtreinigung als eine der ersten mit derartigen Mitteln experimentierenden unter den europäischen Staaten auf eine grandiose Idee: Man stellte Behälter auf, die es den Leuten erleichtern sollten, ihren Müll zu beseitigen.
Die Wirkung war durchschlagend: Wenn natürlich auch nicht gänzlich verschwand der Müll aus den Straßenbereichen in der Nähe jener Behälter. Man hatte mit dieser einfachen Installation Müllprävention betrieben, die Entscheidung gegen Stadtverschmutzung deutlich erleichtert.

Die Entsorgung des eigenen Abfalls war schon immer ein philosophisches Problem; – wie oft schon hat man den kategorischen Imperativ mit Müllbergen im Wald erklärt? Hier stößt man allerdings an die Grenzen der Politik, an das Menschenbild unserer Gesetzgebung. Demnach ist nach allgemeinem Dafürhalten unsere indirekte Demokratie ein Produkt des Menschenbildes homo oeconomicus, des Menschen, der nach der Maximierung des eigenen Nutzen strebt. Zur Konsequenz dieses in unserer Verfassung verankerten Menschenbildes gehört es auch, Einrichtungen zu schaffen, die dieses Verhalten gesellschaftsfähig machen, denn das Individuum soll sich nicht der Gesellschaft, sondern die Gesellschaft dem Individuum beugen.
In der Marktwirtschaft ist so eine Einrichtung beispielsweise die Theorie von der unsichtbaren Hand, das eigennützige Streben von Unternehmern erhält in einem System von natürlichen Freiheiten das Allgemeinwohl.

Das System “Abfalleimer” beugt sich den selben Voraussetzungen, man geht in der Betrachtung eines für die gesellschaftliche Ordnung problematischen Sachverhaltes von einem nach eigenem Nutzen strebenden Individuum aus, das der betroffenen Gesellschaft angehört.
Was ist die Konsequenz daraus?

Die Konsequenz ist die Schaffung von Umständen, vornehmlich von Freiheiten und nutzenmaximierten Alternativen, die es dem Individuum praktisch nicht erlauben, durch sein Nutzstreben die gesellschaftliche Ordnung zu kompromittieren, bzw. ihm die Alternative, welche dem Allgemeinwohl am dienlichsten ist, besonders “schmackhaft” zu machen, ohne ihn in seinem Wesen einschränken zu müssen.

Beispiele:
1. Auf einem Universitätscampus entstehen genau dort Trampelpfade, wo die gepflasterten Wege nicht die kürzeste Verbindung zwischen zwei Gebäuden darstellen. Trampelpfade verstoßen streng genommen gegen die gesellschaftliche Ordnung, die ja eigentlich Rasen auf den Leerflächen haben will. Die Trampelpfade sind aber nicht die Schuld der Studenten, die ja nur ökonomische Individuen sind, sondern die Schuld der Architekten, die diese Eigenschaft nicht bedacht haben. Man gesteht den Wegbenutzern also entweder zu, die kürzeren Wege zu nehmen, oder – dem Rasen zuliebe – man pflastert von Anfang an ökonomisch.
2. Das Herunterladen von Medien aus dem Internet geht schnell, bequem von zu Hause aus und man hat oftmals die Möglichkeit Medien zu erwerben, die auf ehrlichem Wege gar nicht oder nur unter sehr viel Aufwand zu bekommen sind. Dieses Handeln ist eine Straftat, da es das Urheberrecht verletzt und letztendlich eine Form Diebstahl darstellt. Der Straftatbestand an sich ist aber nur deshalb einer, weil dem Nutzer, der ja ein ökonomisches Individuum ist, nicht ausreichend ähnlich nutzenmaximierte Alternativen geboten werden. Man gesteht den Nutzern also entweder zu, weiterhin herunterzuladen und zieht lediglich die Bereitstellenden dieser Inhalte zur Rechenschaft, oder – die aufgrund des gesteigerten kulturellen Austausches und für die Ankurbelung des medialen Bewusstseins bessere Variante – man bietet Alternativen, welche verhindern, dass sich man auf kriminelle Weise derlei Medien verschafft (im Gespräch war lange Zeit eine Kulturflatrate, welche von Piraten und Grünen befürwortet wurde, bisher aber immer noch selbst in der Theorie sehr unausgereift und unpraktikabel wirkt).
3. Eine hohe Anzahl von Straftaten wird aus Verzweiflung und Chancenlosigkeit begangen. Schon seit Anbeginn der ersten größeren Gesellschaftsordnungen sperrt man Menschen weg, die aufgrund von sozialer Benachteiligung straffällig werden. Das ökonomische Denken des Menschen hindert diese Individuen daran, zum Wohle der Gesellschaft brav in ihrer Chancenlosigkeit auszuharren und dahinzuvegetieren beziehungsweise sich unter größten Anstrengungen eine andere Lebenssituation zu erobern. Man gesteht diesen Menschen also entweder zu, andere Menschen zu berauben und in Gefahr zu bringen oder – die einzig gesellschaftlich vertretbare Option – man kämpft zu allererst gegen die Umstände an, welche dieses Verhalten hervorruft.

Aber das System hat natürlich auch seine Schranken, einerseits weil natürlich nicht jedes gesellschaftswidrige Handeln von einer Diskrepanz zwischen Maximalnutzen und gesellschaftlicher Anforderung hervorgerufen wird, andererseits weil es einen Gegenanteil gibt, dem der Maximalnutzen immer noch schmackhafter ist, als die gebotene nutzenmaximierte Alternative – denn der Weg zum Abfalleimer ist immer noch länger, als wenn ich den Müll einfach vor meine Füße fallen lasse.

Ein Beispiel für ersteres:
Steineschmeißen auf den McDo auf der Sternschanze will nichts als provozieren, es gibt da keine fehlende Freiheit oder versagte Alternative. Vorwiegend ist dieses Verhalten Antiökonomisch gerichtet. Tze, diese Autonomen.

Ein Beispiel für zweiteres:
Die GEZ-Beamten mögen zwar sogar an meine Wohnungstür kommen und mir praktisch den Zahlungsvertrag persönlich ausfüllen, aber nicht bezahlen ist immer noch bequemer und äußerst ökonomisch.

Ein weiterer Denkansatz:
In einer Hand voll philosophischer Diskussionen stellt man sich die Frage, inwieweit ein Mensch schuldfähig ist, wo doch beinahe bewiesen sei, dass er keinen freien Willen besäße. Ich halte diese Einschätzung von vornherein für falsch, nicht zuletzt weil das Fehlen eines freien Willens eine metaphysisch aufgeblasene Annahme ohne Halt noch Realitätssinn ist. Ich denke aber wohl, dass man die Schulfähigkeit eines Individuums an den Determinanten messen sollte, denen es unterliegt. Eine dieser Determinanten ist beispielsweise das ökonomische Dasein, denn während er sich natürlich entscheiden kann, nicht gesellschaftswidrig zu handeln – zumal es seinen Nutzen nicht maximiert, 5 Jahre wegen Raubkopiererei abzusitzen -, bleibt die Frage, ob eine Gesellschaft Handlungen bestrafen kann, welche durch wesensgebende Eigenschaften des Menschen hervorgerufen werden und für welche sie nicht in der Lage ist, ernstzunehmende Alternativen zu schaffen. Wenn versagte Freiheit nämlich zu einem Verbrechen führt, ist es kein Verbrechen mehr im eigentlichen Sinne, es ist mehr ein Unfall. Zumindest, wenn man sehr schicksalsgläubig ist.

Bombenalarm

März 11, 2010 - 12:02 pm 1 Comment

Ich sitze nun schon hier, denn ich hatte heute fünf Stunden eher Schluss als der Plan aufzeigt. Warum? Mitten in einer Informatikarbeit, wurden wir aus selbiger gerissen, als ein Lehrer den Raum betrat und uns etwas schwer atmend, aber ruhig erklärte, dass wir die Computer runterfahren und dann auf dem schnellsten Weg nach Hause sollen. Bombenalarm. Weniger panisch, denn ein wenig euphorisch verließen wir das Schulgebäude. Auf dem Weg zum Busbahnhof haben wir uns dann aber doch Gedanken über diesen Fall gemacht. Also außer “ob morgen keine Schule ist?” und “Juhuu, wir mussten unsere Klausur nicht schreiben”. Welcher Attentäter der Erfolg wünschte kündigte seine Anschläge an? War es nur ein Fehlalarm weil da jemand etwas vermeiden wollte? Wir ist die Schule eigentlich an die Information gekommen? Ein Anruf? Eine Mail? Wer war es? Ein Schüler oder eine Ehemaliger? Was waren die Gründe? Was wäre gewesen, wenn es wirklich eine Bombe und keine Warnung gegeben hätte? So viele offene Fragen und keine Gewissheit auf Antworten. Ich hoffe, dass der Täter geschnappt wird, schon allein aus Neugier, was wohl hinter dieser Geschichte steckt.

Und das alles pünktlich zum Jahrestag von Winnenden. Ob das Zufall war?

Killergeneration ist wieder da

März 9, 2010 - 12:00 am No Comments

Nachdem die Seite dank eines dummen technischen Fehlers meinerseits down war, ist sie nun wieder da und diesmal auch mit frischem Design. Glücklicherweise sind auch noch alle Artikel erhalten, nichts ist abhanden gekommen. Ich hoffe, dass ich und die anderen Autoren jetzt wieder mehr dazu kommen Artikel zu verfassen.

Freunde, Helfer und andere

Februar 14, 2010 - 11:08 pm 3 Comments

Da heute der 14. Februar ist, war gestern der 13., was theoretisch wie jedes Jahr für Dresden Naziaufmarsch gehießen hätte. Tollerweise war dieses Jahr ja alles anders. Ab 9 Uhr haben sich in allen Straßen rund um den Neustädter Bahnhof Menschen aus ganz Deutschland zu Kundgebungen zusammen gefunden. Diese Kundgebungen hatten den tollen Effekt, dass die Straßen, auf denen die Route der Nazis entlang führen hätte können, von Menschen blockiert waren. Aber das wird ja schon an die meisten Ohren gedrungen sein.
Interessant, wenn auch nicht im positiven Sinne, war, wie die Polizei die zu den Kundgebungen strömenden Nazi-Antipathisanten doch behindert hat. Irgendwann waren dann alle Brücken zu, man durfte den Grund des Elbseitenwechsels nennen und dann wohl auch recht oft wieder von dannen ziehen, wenn dieser z.B. >>Teilnahme an der Kundgebung am Albertplatz<< lautete. Scheinbar wurden teilweise nicht einmal Abgeordnete durch gelassen.
Verstörende Aspekte des 13. Februars.

[Random] Twilight – Die Sitcom

Februar 3, 2010 - 12:00 am 1 Comment

Ich mag Twilight nicht besonders und Sitcoms sind auch nicht mein Fall. Aber wie man so weiß, ergibt Minus und Minus plus und so ist diese Parodie sehr amüsant. Hier sieht man auch noch mal deutlich die sich immer wiederholenden Aktionen und die Vorausschaubarkeit von Sitcoms. Auf dem Kanal von YTITTY findet ihr noch weitere Twilight Sitcom Episoden.

Kluge Leute

Januar 29, 2010 - 12:00 am 2 Comments

Schlaue Leute zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie sich die Welt möglichst einfach machen. Nun, auf die Ergebnisse der Gedanken von besonders schlauen Leuten bin ich heute gestoßen oder besser gesagt unser Bus. Heute kam ganz plötzlich fast ein Meter herunter und einige Leute hatten wohl keine Lust viel Zeit in Schippen zu investieren und haben ihren Schnee mit ihrer Genialität einfach runter auf die Straße geschoben oder geschmießen, so das wir erst mal nicht weiter kamen.
Noch intelligentere Leute fahren am 28.01.2010 mit einer Wochenkarte von Mitte November letzten Jahres und zeigen diese dem Busfahrer vor. Das sorgt nicht nur für gemütliche 40 Euro Strafe, nein auch für eine minutenlange Diskussion in der wir anderen Fahrgäste zitternd dahinter stehen und uns in lebensgroße Schneemänner wehen lassen. Wer mag Schneemänner nicht? Und sich dann noch laut darüber aufzuregen und den Busfahrer halb laut von hinten zu beschimpfen, wirklich wirklich genial.
Das kann nur noch von jenen getoppt werden, die von ihren Erlebnissen mit Kontrolleuren und herum posaunen wie sie die Kontrollen umgangen haben. Ach herrlich, was man alles in den Öffentlichen erleben kann.

Billigflieger ist Billigflieger

Januar 23, 2010 - 12:00 am 2 Comments

Eigentlich kann ich mich gar nicht beschweren. Wir sind mit einem Billigflieger geflogen und haben die Konsequenzen getragen. Wer geizt, der darf nicht groß nörgeln. Aber ich mach es trotzdem, einfach weil ich nicht minder großen Zorn verspüre. Da ich bereits darauf verzichte, Ryanair mit Hassmails zu bombardieren, möchte ich wenigstens von meiner Erfahrung berichten. Mein Ticket meinte, dass ich zu einer bestimmten Zeit von Riga nach Frankfurt(Han) geflogen werden würde. Nun es fing damit an, dass der Flieger sich um eine Stunde verspätete, aber na ja, dass kann ja durchaus mal vorkommen. Nachdem wir dann zwei Stunden später als geplant abhoben, ignorierten wir so gut es ging die Stewardess die uns Parfüms und überteuertes Essen anboten. Leider wurde ich dank meines Magens schwach und kaufte mir eine Salami (XL) für 1,50 Euro. Überteuert, aber ok, ich habe es so gewollt. Jedenfalls reißt die dichte Wolkendecke kurz vor unserem Ziel auf, das Flugzeug begibt sich in einen Sinkflug und ich freue mich auf diese Gefühl wenn man landet. (weiterlesen…)

Der obligatorische Happy-New-Year-Artikel

Dezember 31, 2009 - 2:14 pm No Comments

Nun brach der letzte Tag dieses wundervollen Jahres 2009 an, in dem wir Obama für den Afghanistan-Krieg ehrten, Kopenhagen erfolglos zu Ende ging und es angeblich noch mehr Casting-Bands, deren Namen ich vorziehe, nicht zu kennen, gegeben hat.

So möchte es nun durch diese Hallen schallen, verbringet eine gar lustige Silvester-Nacht und habt ein wundervolles Jahr.

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