Archive for Mai, 2010

Gedanken zum Menschsein und Ewigsein

Mai 16, 2010 - 6:34 am No Comments

Na dann will ich mal Senf über die dritte große monotheistische Religion hinzufügen…

Von Mordechaj
Als Mosheh auf Chorev den brennenden Busch fragt, was er seinem Volke sagen soll, wer ihm auftrug, sie aus der Sklaverei zu führen, erhält er als Antwort: Ehyeh asher ehyeh.

Das ist im Grunde ein sehr schöner Ausdruck, um G-tt zu beschreiben, es ist nichts Greifbares, nichts Eindeutiges. Von jeher wird diese Aussage von Theologen und Übersetzern unterschiedlich wiedergegeben und interpretiert. Das hat den Grund, dass die hebräische Grammatik selbst sehr sparsam mit Formenreichtum ist, man muss die Wortbedeutung aus dem Kontext erschließen. Diese Aussage hier besitzt aber keinen Kontext, sie ist in nichts eingebettet als Ihn selbst, genauso wie auch Er ohne Kontext ist.

Was will dieses Ehyeh asher ehyeh nun bedeuten können?
‚ehyeh‘ ist die progressive Futurform von ‚sein‘, lihiot. Von Muttersprachlern wird die Form als eine Verbindung von Präsens (hoveh) und Futur (atid) wahrgenommen. Wie schon erwähnt ist die hebräische Grammatik sehr sparsam, so stecken in ein und derselben Konjugationsform mehrere verschiedene mögliche Aussageintentionen. In diesem Fall kann das sein: Ich werde sein, ich sei, ich soll sein, ich wäre, ich kann sein, ich geruhe zu sein, etc.pp. Das Wort beschreibt Ihn als zeitlos und unendlich.
‚asher‘ ist ein allgemeines Relativpronomen, auch hier ist das Hebräische wieder sehr auf Mehrwegverwendung bedacht, es kann sowohl als auch bedeuten: was, wer, wie, wo, wann; das, was; der, der; etc. Heutzutage wird das Pronomen nahezu ausschließlich dazu verwendet, Relationen in bestimmten Wortverbindungen anzugeben, kommt als alleinstehender Satzteil also kaum noch zur Geltung.

Ich bin der, der geruht  zu werden, all das und wer und all dort und wann ich sein werde.

Man spricht von göttlicher Emanation, von etwas, das einen Anfangspunkt im Hier und Jetzt besitzt und in der Ewigkeit nicht endet. Damit ist Er alles Seiende und alles Werdende, ein Alles-Sein und Selbst-Existieren. Viel mehr noch, Er ist der, durch den alles Sein und Werden erfährt.

Ivrit hat keine Präsensform für das Wort ‚sein‘. Ich kann auf Hebräisch nicht feststellen „Ich bin.“, nur „Ich bin klein.“, Ani katan. Das ist sehr interessant, wenn man daran denkt, was das für das Selbstverständnis bedeuten muss, viel mehr noch, wenn man an markante Stellen aus Bereshit denkt, wir deutlich, wie viel unmittelbarer Seine Existenz ohne einen Gegenwartszustand ist.
Ein Beispiel, welches in seinem Wortlaut ziemlich bekannt sein dürfte:
Vayomer Elohim yehi or ve-yehi or.  Elohim sprach: Es werde Licht; und es wurde Licht.

Nicht etwa befiehlt Er dem Licht zu sein, Er befiehlt ihm zu werden, und es war nicht, es wurde. Das Licht wird damit ebenso ungreifbar wie Seine Existenz, es ist ein Werden statt ein Dasein.

In Bezug auf Ihn fallen in den Schriften noch mehrere derartig Tautologien, etwa: „Ich will […] dir kundtun den Namen HVYH: Wem Ich gnädig bin, dem bin Ich gnädig, und wessen Ich Mich erbarme, dessen erbarme Ich Mich.“ Meist macht Er sie über sich selbst, weil Er niemals (zumindest soweit ich weiß; es kann vielleicht durchaus vorgekommen sein) objektiviert wird, er ist immer Subjekt. Das unterstreicht einerseits den Eindruck, dass diese Worte direkt von ihm kommen, andererseits weist es ihm auch stilistisch eine Allgegenwärtigkeit zu. Und selbst, wenn man über Ihn spricht, wird Seine Gegenwart stets betont, wo Mosheh den Söhnen Yisraels sagen soll: Ehyeh schickt mich zu euch.

Ehyeh asher ehyeh. Ich bin, der ich bin. Ich mag sein, was ich sei.

Es gibt keinen Satz im Tanakh, der meine Beziehung zu meinem G-tt mehr geprägt hätte, der mein Bild von der Schöpfung und dem Dasein besser zu fassen wüsste. Er besitzt keinen Namen, deshalb kann HaShem auch niemals offenbart werden, er ist das Alles-Sein und die Selbst-Existenz, er muss erfahren werden. Nur wer Sein und Werden in Einklang zu bringen vermag, der die unerklärte Selbstexistenz Seiner Herrlichkeit hinzunehmen vermag, lernt Ihn kennen.
Dr. Eli Erich Lasch beschreibt das in seinem Buch „Let there Be Freedom“ wie folgt:

Moses erlebte auf Chorev eine Erleuchtung, und seit dieser Zeit sah er die Welt auf andere Art und Weise. Er erkannte, dass die Wirklichkeit in verschiedenen Formen und Dimensionen gesehen werden kann. Nun war er bereit, nicht nur seine eigene Realität zu verändern, sondern auch die der ihn umgebenden Welt. Nun konnte er vollbringen, was wir „Wunder“ nennen würden. In diesem Augenblick hatte Moses seine Göttlichkeit wieder gewonnen.

Ich halte nicht viel von fremden Interpretationen der Schriften, weil sie letztendlich immer einen entweder subjektiven oder theologischen Charakter haben und beides ist bei der Entwicklung eines persönlichen Bildes eher hinderlich. Hier aber sprechen wir in etwa dieselbe Sprache.

 

Was ist die Konsequenz daraus?
Ein Dasein, das Sein und Werden zu akzeptieren und zu vereinen weiß, entfernt sich von der Existenz in der Vergangenheit. Der Mensch definiert sich im Allgemeinen über das, was ihm Zugestoßen ist, seine Identität besteht aus in vergangenen Ereignissen erworbenen Werten und Erfahrungen. Das ist einerseits die Wesensgabe des Menschen, dass er erinnern kann, nur durch Erinnerung wird eine Zukunft denkbar. Das tut der Göttlichkeit der Emanation keinen Abbruch, jeder Anfang hat eine Art dunkles, angsteinflößendes Nichts, aus dem er hervorging. Auch der Gott der Hebräer hat einen Anfang:

Vayomer anuki Elohi abeykha, Elohi Abraham, Elohi Izehak, ve-Elohi Yakov. Und er sprach: Ich bin da eben der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.

Man darf diesen Urzustand hier nicht falsch verstehen, nämlich schöpferisch. Er ist viel eher tranzendental zu sehen. Als Gott sich Mosheh als der Gott seiner Vorväter zu erkennen gibt, verbirgt dieser angstvoll sein Gesicht. Bei Lasch:

Im ersten Teil der Begegnung erscheint Gott Moses in dem Aspekt von HVJH, dem Aspekt des ewigen Seins, als Gott der Zeit. Die Offenbarung beginnt mit der Erinnerung an die Vergangenheit – Ich bin der Gott deines Vaters – und Moses reagiert, indem er sein Gesicht verhüllt.  „Was für ein Gott ist dieser Gott, den wir für seine Dienste und Versprechen in der Vergangenheit anbeten sollen und der es in der Gegenwart zulässt, dass sein Volk ausgerottet wird. Ein solcher Gott ist höchstens zu fürchten.“ […] Aber in diesem Augenblick verändert sich alles, und Gott wird zum Gott der Gegenwart.

Die Mission Mosheh, der Auszug aus Ägypten, die Erfahrung der Schemot, das Auserwählen der leidenden Hebräer zum Bund mit G-tt bilden den Anfang von Adonay, dem Herren. Dennoch verkörpert er weiterhin die göttlichen Dimensionen seiner Schöpfung und seiner Selbst-Existenz, Elohi ist Elohim, ein Gott, der mehre Götter ist, der Gott Jakobs, Isaaks, Abrahams, Noahs, Amrams, schließlich Moshehs, der Gott der Schöpfung, auch der Gott Christi, manchmal sogar der Gott der Muslime.

Der Charakter G-ttes ist ein ständiges Neuanfangen, ein Umwerten, wenn man es mit Nietzsche halten will: Ein Vergessen. Das bedeutet – noch einmal – nicht, dass man die Vergangenheit nichtig zeihen oder gar auslöschen soll, es heißt nur, sie als vergangen anzuerkennen.
Gleichzeitig heißt es, sich der Zukunft anzuvertrauen, auf dass aus ihr schöpferische Kraft entstehe. Auf diese Weise bleibt die Nähe zum Alles-Sein gewahrt, die Rückkehr dahin ermöglicht.

Mission trotz Missbrauch ?

Mai 14, 2010 - 4:29 pm 1 Comment

Mittwoch, der 12. Mai 2010. Ich sitze gerade auf einer Parkbank am Markusplatz Bamberg. Die Sonne kommt erstmals an diesem Tag hinter den Wolken hervor, die Schule hat gerade geendet und ich habe etwas Zeit, bevor ich zur Mathematik-Nachhilfe muss. Darum lese ich in meinem Buch weiter. „Im Westen nichts Neues“. Plötzlich vernehme ich eine laute Stimme: „Guten Tag!“ Ich blicke auf. Vor mir steht eine Wand aus weißen Hemden, sowie schwarzen Krawatten und Namensschildern. „Kennen Sie schon das Buch Mormon?“ Ich kenne es zur genüge, da meine Nachbarin – eine gute Freundin von mir – Mormonin ist. Allerdings habe gerade überhaupt keine Lust auf einen theologischen Disput – die Westfront ist einfach zu spannend. Ich sage also nur: „Kein Interesse!“. Doch die beiden Missionare der letzten Heiligen wollen mir meine Lektüre offenbar einfach nicht gönnen. „Kennen Sie denn eventuell Jemanden in ihrer Familie, dem wir das Licht der Hoffnung bringen können?“ Mir wird das Ganze etwas zu dreist, darum stehe ich und setze meinen Hut auf, und gehe. Im Gehen rufe ich den beiden Weißhemden noch zu: „Ich kenne Euren Verein. – Eure Ansichten sind völliger Schwachsinn! – Ich bin in der EKD; Ich bleibe in der EKD! Schönen Tag.“ Dass sie zurück grüßen höre ich schon gar nicht mehr.

Später tut mir meine etwas gereizte Reaktion Leid. Ich bin als Christ schließlich ebenfalls zur Mission berufen, und habe sogar selbst schon an missionarischen Aktionen teilgenommen. Da kann ich doch nicht plötzlich etwas gegen das Missionieren haben, bloß weil es in diesem Fall eben von Leuten ausgeht, die einen anderen Glauben haben! Natürlich kann man sich darüber streiten, ob die Art und Weise, wie die beiden Mormonen missionierten, angemessen war – aber gegen den Missionsversuch an sich lässt sich nichts sagen.

Vor allem habe ich selbst schon erfahren gemusst, wie schnell man wegen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion intolerant, und vor allem undifferenziert behandelt wird. Während des Christivals 2008 in Bremen, berichteten alle großen Zeitungen und Magazine wie konservativ, evangelikal, und vor allem intolerant und homophob wir Christen doch alle seien, und wie aufgeklärt und tolerant doch die Gegendemonstranten. Worüber seltsamerweise aber kaum eine Zeitung berichtete: Während des Christivals durchbrach eine größere Gruppe der Gegendemonstranten den Zaun des Christival-Geländes, und attackierte uns Christen mit Feuerwerkskörpern – vereinzelt auch mit Knüppeln. Dass dabei niemand ernstlich verletzt wurde, haben wir nur dem schnellen Eingreifen der Polizei zu verdanken.

Wo wir schon schon bei den Medien sind: In Bezug auf den Missbrauch-Skandal der katholischen Kirche ‘zierte’ das Cover der Satire-Zeitschrift TITANIC vor Kurzem ein Bild, welches einen Priester zeigt der vor einem Kruzifix kniet. Die Perspektive des Bildes versuchte eindeutig den Gedanken an Oralverkehr zu implizieren; Untertitelt war das Ganze mit: “Kirche heute”. Viele christliche Zeitschriften – z.B. Idea Spektrum, und PRO – regten sich über das „blasphemische“ Bild auf, und so auch Ich; doch ich denke mittlerweile, dass man dem Bild auch durchaus Positives abgewinnen kann. Ich zumindest fühlte mich beim betrachten des TITANIC-Covers sofort an den Ausspruch Jesu „Was ihr einem meiner geringsten Brüder [an]getan habt, das habt ihr mir [an]getan!“ erinnert. Sollte dies der Hintergrundgedanke des Zeichners gewesen sein – was ich allerdings bezweifle – so wäre das TITANIC-Cover in der Tat das, was es vorgibt zu sein: Intelligente; Kritische; Gut gemachte Satire.

Um auf die Mission zurückzukommen: Im Zuge des Missbrauch-Skandals stellt sich natürlich auch die Frage, ob man nun als Christ überhaupt noch guten Gewissens für das Christentum werben darf. Ich persönlich denke: Man darf es.

Nur weil Einzelne, welche vorgeben einem System zu folgen, dieses System falsch oder gar nicht umsetzen, ist noch nicht das System an sich falsch! Das Christentum ist nicht falsch! Sonst müsste auch die Demokratie falsch sein, nur weil sie in der Deutschen ‘Demokratischen’ Republik falsch umgesetzt wurde!

Das Kreuz sei eben kein Zeichen für Missbrauch, Gewalt, und Kreuzzüge!

Das Kreuz ist ein Zeichen für Gewaltlosigkeit und die „andere Wange“.

Das Kreuz sei eben kein Zeichen für Intoleranz und blanken Hass!

Das Kreuz ist ein Zeichen für„Liebe deine Mitmenschen“, ja sogar für

Liebt eure Feinde und betet für alle, die euch verfolgen! “.

In diesem Sinne …

Jérôme Denis Andre, 18 Jahre

Der Koran

Mai 9, 2010 - 12:00 am 4 Comments

Von Jin

Nun bin ich mit der Lektüre des Korans schließlich doch zu einem Ende gekommen. Da ich dem Arabisch noch nicht nennenswert mächtig bin, bediente ich mich der Übersetzung von Max Henning. Mit großen Enthusiasmus die ersten Suren gelesen, aber zugegebenermaßen sah ich mich einige Male in der Tat der Situation gegenüber nicht fortfahren zu wollen. Aufgerafft, hab ich besonders in Richtung Ende fast so etwas wie Gefallen daran gefunden. Die Sprache hat etwas wundervoll Beruhigendes, spendet fast schon Trost, wenn man eigentlich völlig fertig ist.
Natürlich hat der Koran durchaus den Charakter einer versuchten Gehirnwäsche, was wohl auch Sinn und Zweck eines solchen Buches ist. Eine Zeile, die auf jeden Fall haften bleibt, wäre diese: >>Siehe, Allah ist weise und barmherzig.<< in unzähligen Wiederholungen und Variationen. Nun, einen übermäßig barmherzigen Eindruck von Allah konnte man mir nicht vermitteln. Zuerst erscheint er mir wie eine völlig von Menschen geschaffene Figur – Willkür, Gefallsucht, derartiges. Aber auch wenn ich Allah für real hielte und bestrebt wäre, unter allen Umständen ins Paradies ein zu treten – es wäre mir völlig suspekt, wie ich dies bewerkstelligen sollte. Fast jede Tat wird mit Dschahannam bestraft. Nun ist Allah zum Glück ein verzeihender Gott, doch verschließt er die Herzen der Ungläubigen und Frevler, so dass sie am Jüngsten Tag keinen Einzug in den Garten Eden, durcheilt von Bächen, usw. halten werden. Vor allem an diesen Stellen, an denen Allah etwas über die Schließung von Herzen verkünden lässt, erscheint er mir willkürlich.
Oft erzählt der Koran von Dingen, die mit unseren heutigen Werten eigentlich nicht mehr vereinbar sind. In der Tat fordert dieses Buch zur Vernichtung der Ungläubigen auf, und es stimmt genauso, dass Frauen den Männern nicht gleich gestellt sind. Ein muslimischer Mailfreund, der mir die ganze Zeit geduldig zur Seite stand, meinte, die finanziellen Unterschiede kommen ganz einfach daher, dass Männer grundsätzlich für die Familie zu sorgen hatten und es deshalb nicht notwendig war, einer Frau übermäßig viel zu vererben. Plausibel. Der Koran ist 1400 Jahre alt, das sollte man nicht außer Acht lassen. Ich persönlich finde es vor 1400 Jahren ebenso abstoßend wie heute, wenn man über andere Völker herfällt und Frauen schlägt, aber derartiges scheint ja auch im Abendland nicht ganz unüblich gewesen zu sein. Irgendwann macht es eine Religion nicht mehr zwingend sympathisch, wenn sie sich an 1400 Jahre alte Buchstaben klammert.
Ganz interessant ist auch, dass der Koran das Judentum und das Christentum nicht als Religionen anderer Götter sieht, sondern einfach als Vorgängerreligionen des Islams. In der Vergangenheit tauchten wohl schon einige Propheten mit Botschaften Allahs auf, so dass z.B. die beiden o.g. Religionen entstanden sind. Leider wurden die Wahrheiten, die diese Propheten verkündeten, von den Menschen verfälscht, so dass es notwendig war, den Koran als letztes entgültiges Wort Gottes zur Erde zu senden.
Eine solche Lüge ist beispielsweise die Situation Jesus’ im Christentum. Es stellt eine wirklich sehr geächtete Sünde dar, zu behaupten, er wäre Gottes Sohn. Allah legt im Koran gesteigerten Wert darauf, dass er der absolut einzige Gott ist und keinerlei Verwandschaft hat, was auch einen Sohn ausschließt.
Viel mehr soll Jesus’ Geschichte so vonstatten gegangen sein, dass Maria aus irgendeinem Grund nicht geschwängert werden konnte und Beauftragte Allahs schließlich sinngemäß sagten >>Sei!<< und Jesus war.
Die 112. Sure – eine der kurzen, am Ende des Korans gelegene – empfand ich als sehr eindrucksvoll:

Die Reinigung
Geoffenbart zu Mekka

Im Namen Allahs,
des Erbarmers, des Barmherzigen!

1 Sprich: Er ist der eine Gott,
2 Der ewige Gott;
3 Er zeugt nicht und wird nicht gezeugt,
4 Und keiner ist ihm gleich.

Ein kurzer Exkurs in die Welt des Korans.

arte plus7 – Kinder unter Kontrolle

Mai 2, 2010 - 11:34 am 1 Comment

Von Mordechaj

In der arte-Dokumentation werden Forschungsmodelle in Richtung Jugendkriminalität und Verhaltenstörungen gezeigt.

Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen zählen zu den zentralen Problemen der heutigen Gesellschaft. Politiker berufen sich gern auf eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen, die auf einen möglichen Zusammenhang zwischen bestimmten Verhaltensmustern und späterem kriminellen Verhalten hinweist. In Europa, den Vereinigten Staaten und Kanada sucht die Forschung nach den medizinischen Ursachen – seien sie psychiatrisch, neurologisch oder genetisch – für das Gewaltverhalten von Jugendlichen und empfiehlt ein immer frühzeitigeres Screening. So sollen mit einer umfassenden Reihenuntersuchung bei möglichst vielen Kindern schon früh entsprechende Risikofaktoren erkannt werden.
Die Dokumentation stellt die Frage, ob Kriminalität eine Krankheit ist und ob Wissenschaft und Medizin bald Probleme lösen können, die bisher als Domäne von Erziehung und Sozialarbeit galten. Er untersucht den Ansatz der heutigen Verhaltensforschung gegenüber Kindern und Jugendlichen und weist auf mögliche Folgen für die zukünftige Gesellschaft hin.

Regie führte Marie-Pierre Jaury.

http://plus7.arte.tv/de/1697660,CmC=3180636,scheduleId=3130780.html
(nur noch bis 6. Mai 21.45 verfügbar)

 
Ich höre diesen dicken Mann vor dem Projektor von Körpergröße sprechen und erinnere mich an Instrumente, die den Kopfumfang und damit die kriminelle Energie eines Delinquenten messen wollten. Ich höre den Schnösel von der UMP, der vom brennenden Mülleimer zum Banküberfall als schlimmstanzunehmenden Delikt kommt, ich sehe den fragwürdigen Typen, der davon spricht, Menschen wegzusperren oder in Rehabilitationsanstalten zu stecken, weil damit der Gesellschaft so ungemein geholfen sein, und ich kenne das DSM-IV, das alles zu einer Persönlichkeitsstörung erklärt, was nicht so ist, wie man sein muss.

Mediziner neigen dazu, alles mit Medizin erklären zu wollen. Politiker neigen dazu, Gelder für teure Projekte klar zu machen, sobald irgendein Wissenschaftler dreist genug ist, seine fragwürdigen Erkenntnisse als den Urschleim, aus dem wir gemacht sind, zu verkaufen. Was mit dem Klimawandel klappt, klappt auch mit der Verbrechergenetik.

Glückwunsch, ihr in euch hineinfluchenden Counter-Strike-Spieler, ihr seid offiziell verhaltensgestört und eine Gefahr für die Gesellschaft, weil ihr menschliche Verhaltensweisen zeigt.

Warum die Aktualität von Verhaltensstörungen? Es gibt Psychologen, die bei Kindern im Alter von 3 Jahren eine bipolare Störung oder andere affektive Probleme diagnostizieren – heißt: Die Kinder können kaum reden, Gefühlsregungen zeigen oder verstehen, und werden schon extremst stigmatisiert.

Für diese Störungen werden noch mehrere Parameter angelegt; für die Diagnostik von Verhaltensstörungen gibt es häufig nur ein Indiz: Verhaltensauffälligkeit: Ein Kind ist nicht brav, nervt oder ist nicht komform mit seinem Umfeld.

Was früher mit der Prügelstrafe entkräftet wurde, trägt heute aufgrund ganz anderer Erziehungsfehler als Gewalt ab: Wie schnell ein Kind brav wird und aufhört zu nerven und sich seiner Umgebung anpasst, wenn es regelmäßig über’s Knie gelegt wird. Aber ist das zweckdienlich? Denn: Psychische Traumata, Depressionen und Angststörungen aufgrund einer gewaltvollen Kindheit sind überhaupt nicht auffällig, die passieren im Stillen; solche Störungen beeinflussen die Verhaltenswahrnehmung nicht, sie zerfressen den Menschen einfach von innen. Der Fortschritt ist heute, dass die Erziehungsfehler sichtbar werden, wir nehmen sie aktiv wahr – aber wir treten ihnen vollkommen falsch entgegen, führen Probleme auf Ursachen zurück, die uns als Erzieher von der Last der Verantwortung befreien.

Heute ist die Erziehung liberaler, Kinder können oftmals sogar tun und lassen, was sie wollen. Das ist so lange in Ordnung, wie die Eltern daraus keine Probleme ziehen, die effektiv auf ihre Erziehung zurückzuführen sind, denn dann müssten sie ihren Lebensstil ja an ein Kind aktiv anpassen und wer will das schon, wer will aktiv Verantwortung tragen, vor allem: Wer will sich aktiv in die Verantwortung für sein verhaltensauffälliges Kind holen lasen?
Da springt jetzt die Medizin ein, die sagt: Hey, Eltern, es ist nicht eure Schuld, eure Kinder sind einfach “einzigartig” – einzigartig verhaltensgestört. Gebt ihnen ein bisschen Prosac und Ritalin und es geht ihnen gut.

Ihr habt die Deutsche gesehen, die zusammen mit dieser einen Tante den Fragebogen zu ihrem Sohn ausgefüllt hat?
“Quält ihr Kind gern Tiere. Beim Spielen etwa, hat er da Spaß dran?” Sie lacht und sagt ja und lacht nervös weiter und die Tante gegenüber guckt ernst, als wär das Kind bereits der schwerstkriminelle Tierquäler schlechthin.
Das ist ein klarer Erziehungsfehler, das hat nichts mit seinem Cortisol-Haushalt oder seiner Hirnaktivität zu tun. Die Olle hat’s einfach versäumt, ihrem Sohn Mitgefühl beizubringen. Wenn ich mich recht erinnere, war der Sohn 5 Jahre alt. Wer von uns hat mit 5 Jahren Tiere schon als vollwertige Lebewesen und nicht etwa als Spielzeug betrachtet? Wer versteht mit 5 Jahren die real existierenden Gefühle und Bedürfnisse eines Tieres, wenn die Eltern es versäumen, hier aktiv Erziehungsarbeit zu leisten?

Und das tun sie, denn – wieder die Deutsche mit dem Sohn – wer allein auf das Anraten der Kindergärtnerin sonnen psychiatrischen Großangriff anleiert, der muss schon sehr hilflos sein. Das Kind mal selbst zu beobachten und sich mit seinen Problemen auseinander zu setzen – nö, da stecken wir es lieber in die Psychiatrie.

Aber warum es sich schwer machen, wenn es auch einfach geht? Einfach ein paar SSRI-Hemmer rein, dann wird das Kind gefühlsbetonter und schmusiger und allgemein ein bisschen abwesend, schon sieht die Welt wieder besser aus, denn so wollen wir unsere Kinder haben, Stephen-Spielberg-Kinder ohne tiefere Persönlichkeit.

And then again: Man nimmt für eine Vielzahl von psychischen Störungen (etwa die bipolare, die schizo-affektive, Borderline, Schizophrenie, Depressionen, Angststörungen, Migräne etc.pp.) komplexe Ursachen in Genetik, Umfeld und Lebensgeschichte wahr. Es gibt also Menschen, die genetisch gesehen höher gefährdet sind, irgendwann depressiv zu werden, brauchen dafür aber das entsprechende Umfeld und einen entscheidenden Auslöser. Aber Verhaltensstörungen bei Kindern, die exakt den gleichen Tonus haben wie affektive Unstimmigkeiten – na die betrachten wir gern rein im medizinischen Umfeld, fernab von Umwelt und Einbettung, uns könnte ja auffallen, dass Kinder Menschen sind, die im Allgemeinen genauso wenig einfach gestrickt sind, wie Erwachsene, viel mehr noch, die eine komplexe und umseitige Aufwendung an Aufmerksamkeit, Verständnis und Erziehung brauchen.

Den meisten Leuten mangelt es an einem Gespür für alle drei Faktoren. Und das ist nicht mal schlimm, auch aus deren Kindern werden irgendwann Menschen, vielleicht sogar unglaublich “wertvolle” Mitglieder der Gesellschaft. Die Gefahr ist jetzt, dass Kinder von vornherein in eine Ecke gedrängt werden, stigmatisiert werden, ihnen wird eingeredet, sie wären gefährdet, irgendwann schwerstkriminell zu werden, weil sie schonmal darüber nachgedacht haben, zu sterben oder in ihrem jungen Leben schonmal Fehler begangen haben.

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