Entsetzte Politiker und die fiesen Taliban

April 3, 2010 - 12:00 am 6 Comments

Von Jester Void
Bei einem Gefecht im Kunduz wurden drei Bundeswehrsoldaten getötet. Ein bedrückendes Ereignis, aber die Regierung muss gleich wieder nutzen daraus ziehen. Formel jammert sie wie es sich gehört und nehmen das ganze als Grund mit Afghanistan weiter zu machen. Die bösen bösen Taliban haben nämlich einen “hinterhältigen Angriff” gestartet, wie Frau Merkel verurteilt. Aber hey – es ist Krieg und fremde Entitäten wurschten durch das Land. Die Bundeswehr liefert sich seit Wochen Feuergefechte mit Taliban. Krieg. Ja es herrscht Krieg, auch wenn man es kriegsähnlicher Zustand nennt. Da sind Fallen, Hinterhalte und Tote nun mal normal. Aber nein, die Taliban sind ja hinterfotzige Spinner die ganze böse von hinten kommen. Während unsere strahlende Armee mit überlegender Technologie und Waffentechnik fein wie Edelmänner von vorn kommt. Meiner Meinung nach ist dieser ganze Einsatz eine Farce. Was wollen wir dort, man sieht doch deutlich, dass wir dort keinen Frieden schaffen, nicht wenn wir noch hundert Jahre dort bleiben, nicht wenn wir noch so viele Talibannester ausräuchern und nicht wenn die Regierung noch so viele Tote bedauert.

Es wird ja immer gesagt, dass es ganz ganz schlimm wird, wenn die Truppen abgezogen werden. Ja. Und weiter? Es wird auch so schlimm. Es ist ja nicht so, dass die Bevölkerung jetzt in westlichen Verhältnissen lebt, der Krieg zwischen Taliban und Bundeswehr ist zermürbend. Wir verbessern dort nichts. Und es ist an dieser Stelle egal, ob die Terroristen dran Schuld sind. Man kann diese Menschen nicht ausblenden. Der Krieg bringt allerhöchstens der Waffenindustrie und Bundeswehrsoldaten, die es nicht trifft,was. Frieden kann so nicht enstehen. Aber nun ja, wie sagt man so schön? Dabei sein ist alles.

Nachtrag: Heute erschossen Bundeswehrsoldaten fünf afghanische Soldaten. Durch den Hinterhalt des Taliban sitzen die Finger wohl etwas locker am Abzug. Friendly Fire durch unsere Soldaten. Die Details werden noch geklärt. Aber es scheint auch mit der schlechten Ausrüstung der Afghanischen Armee zu tun zu haben.

Links zum Thema:
Hinterhalt der Taliban
Bundeswehtsoldaten töten Afghanische Soldaten

6 Responses to “Entsetzte Politiker und die fiesen Taliban”

  1. Mordechaj Says:

    Sie können es nicht Krieg nennen, weil sie dann abziehen müssten. Sie können es nicht Krieg nennen, weil sie dann Kriegstechnologie brauchten und alles was wir haben sind Eurofighter und ein paar lumpige Panzer, die selbst Saddam noch als Attrappen verwendet hätte. Sie können es nicht Krieg nennen, weil sie dann einen Gegner hätten, was die Taliban automatisch nicht mehr zur Terrororganisation machte, sondern eben zum Kriegsgegner.
    Ich bin damit übrigens auch nicht so ganz vertraut, aber ich glaube, würden sie es Krieg nennen, müssten sie internationalem Kriegsrecht gehorchen.

    Das kann man alles nicht wollen. Alles ist es kein Krieg.

  2. Jester Void Says:

    Das sehe ich genauso, aber ich frage mich wie man das zulassen kann. Immerhin ist jede größere Partei außer der Linken (bei der ich jetzt nicht weiß, ob es ehrliche Ambition oder purer Antiismus ist) gegen einen Abzug. Ich weiß nicht, was bringt uns der Einsatz, er verbrennt Geld, er sorgt für Unmut und Frieden wird da so nicht geschaffen.

  3. Polle Says:

    /quote:
    Es wird ja immer gesagt, dass es ganz ganz schlimm wird, wenn die Truppen abgezogen werden. Ja. Und weiter? Es wird auch so schlimm. Es ist ja nicht so, dass die Bevölkerung jetzt in westlichen Verhältnissen lebt, der Krieg zwischen Taliban und Bundeswehr ist zermürbend. Wir verbessern dort nichts. Und es ist an dieser Stelle egal, ob die Terroristen dran Schuld sind. Man kann diese Menschen nicht ausblenden. Der Krieg bringt allerhöchstens der Waffenindustrie und Bundeswehrsoldaten, die es nicht trifft,was. Frieden kann so nicht enstehen. Aber nun ja, wie sagt man so schön? Dabei sein ist alles.

    ach was es bringt ja garnichts, wenn soldaten die zivilisation beschützt. ach pfff..
    die zahl der draufgegangenen deutschen soldaten in afghanistan beträgt gerademal 22. wieviele menschen sind in den gebieten, die wir halten nicht gestorben? schwer zu sagen klar.
    hallo? das sind hirngefickte extremisten, die wollen dort die regierung stürzen.

  4. wusch Says:

    Sie können es außerdem nicht Krieg nennen weil es in Deutschland nur im VErteidigungsfalll geht und wenn sie das dann so machen würden, würde die Befehlsgewalt automatisch auf Merkel übergehen und ich bezweifle sehr stark das sie da im Mittelpunkt stehen will und dazu noch sämtliche Entscheidungen treffen.
    Außerdem, wenn wir schon da sind können wir nicht einfach abhauen, ich find eden einsatz auch doof aber vor Verantwortung kann man sich nicht drücken, außerdem hat Deutschland seine Politischen interessen denn es hat grenzen zum Iran, Pakistan umnd China und da kann man ein Insatbiles Land nicht gebrauchen außerdem ist es doch nett da einen Fuß in der Tür zu haben.

  5. Mordechaj Says:

    “Sie können es außerdem nicht Krieg nennen weil es in Deutschland nur im VErteidigungsfalll geht”
    Mit den Worten von Ex-Verteidigungsminister Struck: “Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt.”

    “hallo? das sind hirngefickte extremisten, die wollen dort die regierung stürzen.”
    Und wir werden sie nicht daran hindern.

    Die Bundeswehr sitzt in Afghanistan einzig und allein als Respräsentanz und dafür sind selbst schon 22 tote Soldaten zu viel – abgesehen davon waren es soweit ich weiß eher an die 40. Ich kann die Argumente, die man für die ISAF anbringt, ganz gut nachvollziehen und sehe auch den sehr wünschenswerten und nötigen Anlass dahinter, allerdings ist das, was wir da unten machen nicht das, was wir machen sollten. Ein Land aus Ruinen, in welchem die Bevölkerung verschreckt, aufständig und permanent auf der Flucht innerhalb der Staatsgrenzen ist, braucht einen besseren Plan als “Och, senden wir mal ein paar Soldaten hin, damit die den Aufbau der Polizei und die innerstaatliche Odnung sichern.” . Das sind Bedingungen, für die unsere Wehrarmee nicht gerüstet ist und für die es völlig andere Methoden braucht.
    Es ist schwer, die Zivilisation zu schützen, wenn im Land Chaos, Zerstörung und Verminung herrscht. Dort ist die Bundeswehr, wie sie sich in den letzten Jahren gezeigt hat, nicht einmal zum Selbstschutz in der Lage. Das sind keine sonderlich guten Voraussetzungen für die Herrstellung von Sicherheit. Denn darum geht es. Nicht um Zivilisiertheit, darauf werden die Afghanen noch länger verzichten müssen.

  6. Philosopher´s Stone Says:

    Zu der Frage was “unsere” Soldaten eigentlich in diesem Land verloren haben hat heute der ZDF-blog eine erstaunlich ehrliche Antwort geliefert.

    http://blog.zdf.de/zdfdasblog/2010/04/die-nicht-integrations-kluft.html

    Hier schließt sich der Autor (in den Nachrichten gern als “Terrorismusexperte” ausgewiesen) den Thesen eines gewissen Herrn Barnett an, seineszeichens Militärstratege der Bush-Regierung. Der meint, dass es das Ziel des Westens sein sollte, Ländern die sich bisher nicht in die globalisierte Wirtschaft integrieren ließen diesen Segen mit Waffengewalt aufzuzwingen.
    Anschließend wird der Afghanistankrieg in diesen Kontext gesetzt, der einzige Fehler hätte bis heute darin gelegen, diese wahre Bedeutung des Einsatzes nicht offen auszusprechen. Mit anderen Worten:

    Wir betreiben Neokolonialismus.
    Das ist gut und richtig, dafür brauchen wir uns nicht zu schämen.
    Der Fehler besteht darin, den Krieg gegenüber der eigenen Bevölkerung nicht ehrlich zu charakterisieren sondern stattdessen mit Verteidigung von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten zu rechtfertigen.

    Ich bin durchaus kein Fan der Taliban, aber man sollte folgendes bedenken:
    Erstens ist die Angliederung an die von Europa, den USA und China beherrschte Weltwirtschaft für die meisten Dritte Welt- Länder in erster Linie mit Inflation, Armut, Abhängigkeit und der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen durch ausländische Firmen verbunden.
    Zweitens… wenn wir dort wirklich unsere Soldaten stationiert haben um das afghanische Volk vor Unterdrückung und Terror zu schützen, warum steht die Bundeswehr nicht auch in Simbabwe, Saudi Arabien oder im Kongo? Wenn Deutschland in den vergangenen 20 Jahren gegen jede autoritäre Regierung und alle großen Menschenrechtsverletzungen militärisch Vorgegangen wäre, dann würden wir heute die halbe Welt besetzt halten, selbst wenn man Staaten mit üermäßigem Verteidigungspotenzial wie Iran oder Nordkorea außenvor lässt. Der Unterschied zwischen den Taliban und den anderen korrupten, autoritären Machthabern überall auf der Welt besteht hauptsächlich darin, dass sie die wirtschaftliche Kooperation verweigert haben. Und, das sollte man nicht vergessen, dass sie gerade im Weg waren als die Vereinigten Staaten zu einem gewaltigen Rachefeldzug als Antwort auf 911 ausgeholt haben… allerdings sind das beides keine guten Gründe für eine weitere Teilnahme an einem teuren, gefährlichen und offenbar komplett aussichtslosen Krieg, oder?

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